Santa is coming to town
Papa, er hat einen Sack.
Nadcha
Beim Einchecken auf unserem Campingplatz in Tin Can Bay am Freitag waren wir auf einen Flyer aufmerksam geworden. „Santa is coming to Rainbow Beach – by Heli“. Dieses Spektakel wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und warfen kurzerhand unsere Planung um. Aus der ursprünglich angedachten einen Nacht wurden drei Nächte und heute war also der große Tag.
Um 15h sollte Santa in Rainbow Beach landen. Genug Zeit für uns um vorher Carlo Sandblow anzuschauen und in Rainbow Beach nochmals ins Meer zu hüpfen.
Die Wanderdüne bekam ihren Namen bereits von Captain Cook. Entweder schienen ihm die Namen auszugehen, oder er hatte ein Mitarbeiterprogramm auf seiner HMS Endeavour laufen, denn die Düne wurde nach einem Mann seiner Crew benannt. Auf jeden Fall war die Wanderdüne einen Besuch wert. Nach ein paar hundert Metern Wanderweg durch einen lichten australischen Laubwald standen wir mit einem Mal und ohne Vorwarnung in einem riesigen Sandkasten. Die Düne macht ihren Weg schonungslos von der Küste in Richtung Landesinnere und alles was ihr dabei in den Weg kommt begräbt sie schonungslos unter sich. Besonders beeindruckend war daher der Blick von der vorderen Kuppe der Sanddüne. Hier konnte man den hoffnungslosen Kampf der Bäume sehen, die sich unter der Sandlast beugten, während kontinuierlich Sandkörner vom Wind weiter nach vorne geweht wurden.
Eine solche Sanddüne haben wir bereits auf Fraser Island gesehen, die 1m pro Jahr wandert. Irgendwann können die Dünen jedoch zum Stillstand kommen. Das passiert dann, wenn sich hinter der Düne wieder Vegetation ansiedelt und den Windzug unterbindet, der den Sand weiter nach vorne treibt. In ferner Zukunft würde man dann eine Sanddüne umringt von dichtem Wald bestaunen können. Auf Fraser Island ist dies gerade im Gange.
Nachdem wir diesen Ort eine Zeit lang auf uns wirken liessen, machten wir uns auf zum Strand. Dort genossen wir den Ausblick auf die unendlich weite Beach und die hohen Wellen. Nadcha war natürlich wieder mit ihrem Body Board unterwegs und surfte die kleineren Wellen vorne am Strand. Die Zeit ging schnell um und es war Zeit für Santa. Beim Abduschen stellten wir fest, dass Nadcha eine Quallennessel am Oberschenkel abbekommen hatte. Wir gingen schnell bei den Lifeguards vorbei, die nur ein paar Meter weiter ihre Station hatten.
Hier wurde Nadcha mit warmen Wasser behandelt, dass das Brennen nahm. Anschließend gab es noch Eisblocks zum Kühlen. Die Rettungsschwimmer waren sichtlich entspannt bei der Prozedur, da es hier weder Box Jellyfisch noch Irukandji Quallen gibt. Nach 5 Minuten Eisbehandlung und der Vorfreude auf Santa war der Oberschenkel auch schon wieder vergessen.
Wir kamen genau richtig, um Santa bei seinem Anflug mit dem Heli zu beobachten. Winkend drehte er mehrere Runden über den Köpfen der tosenden Menge bis er auf dem abgegrenzten Areal landete. Dann stieg der stattliche Santa aus. Doch was war das? Hier in Australien scheint man Santa etwas anders zu interpretieren. So hatte Santa natürlich eine Sonnenbrille auf, aber nur eine bunte Short und keine Schuhe. Na wenigstens hatte er weiße Handschuhe an – obwohl er sich diese auch ruhig hätte sparen können. Ich gebe zu, es wirkte durchaus leicht irritierend auf mich. Wo bleibt da die Etikette?! Aber gut, alle anderen – inklusive Nadcha – schien es nicht im geringsten zu stören.
Nach einer Reihe von High-Fives schlenderte der Bermuda-Santa auf zu seiner Bank, auf der er nun auf die Massen wartete, die ein Foto mit ihm wollten. Die Schlange wuchs in Sekunden auf ca. 50m Länge an. Im Minuten Takt wurden hier die Familien durchgewunken. Wir konnten uns dieser magischen Atmosphäre nicht entziehen und entschieden uns dann auch für ein Foto. Familie Erkelenz neben Bermuda-Santa – nun sind wir wirklich in Australien angekommen. Klick… Foto. Schnell noch Nettigkeiten ausgetauscht und dann saßen auch schon die nächsten auf dem Bänkchen.
Nach dieser Aufregung saßen wir noch etwas im Gras und ließen das Sommerfest auf uns wirken. Halb Rainbow Beach saß hier mit ihren Campingstühlen und lauschte dem Live DJ mit Beat-Music. Außerdem gab es ein Kinderzelt mit Bastelaktivitäten, Eiscreme und frittierte Waffeln. Für uns hieß es jedoch bald schon ab in den Camper und zurück nach Tin Can Bay. Nanette hatte herausgefunden, dass es dort Christmas Carols geben sollte, die hiesige Kirchengemeinde hatte eingeladen. Diese Veranstaltung war ganz anders aufgemacht. Hier wurden tatsächlich Weihnachtslieder gesungen, die Weihnachtsgeschichte erzählt und zusätzlich noch ein Weihnachtsquiz veranstaltet. Bei uns kam kurz tatsächlich mal ein Gefühl von Vorweihnachtsstimmung auf. Selbstverständlich kam auch hier Santa vorbei. Vorgefahren wurde er im Feuerwehrauto mit Blaulicht. Es stieg ein ordentlich gekleideter Santa aus dem Zugwagen. Lange Hose und selbst Stiefel hatte die arme Seele an bei der Hitze. Mein Glaube war wieder hergestellt – und Nadcha schrie mir laut ihr Zitat entgegen.
Bevor die Kinder dann alle aus dem Sack ihre Süssigkeiten bekamen, erzählte uns Santa noch, dass sein Schlitten gerade in der Werkstatt ist und er deswegen mit der Feuerwehr kommen musste. Er hatte einen langen Weg vom Nordpol über die Alpen bis nach Australien und beschwerte sich über die Hitze hier. Mit einigen weiteren Weihnachtsliedern ließen wir den Abend ausklingen.




