Ia Orana

Ia Orana

In Polynesien begrüßt man sich mit „Ia Orana“, was auf tahitianisch so viel heißt wie „Hallo“. Auch das Wort „Mauruuru“ für „Danke“ hatten wir schnell gelernt und so fühlten wir uns auf Bora Bora sofort heimisch. Und dort blieben uns nach der Flug Umbuchung durch die Airline immerhin noch fünf Nächte.

Wir genossen unsere Zeit in vollen Zügen. Wir verbrachten sehr viele Stunden schnorchelnd um die vorgelagerte Insel Motu Toópua des Resorts. Die unzähligen bunten Fische, Muränen, Rochen, Riffhaie, Kugel- und meterlangen Pfeifenfische begeisterten uns so sehr, dass wir im Wasser oft die Zeit vergassen. An Korallen, die von hunderten bunter Einwohner bevölkert waren, konnten wir uns kaum satt sehen. Dazu der weiße Strand, das klare türkise Wasser und unser Steghaus, von dem Nadcha unzählige Male ins Wasser sprang – wir durften Zeit im Paradies verbringen. Auch auf SUP´s erkundeten wir das Riff und die Lagune und ein Ausflug auf die Hauptinsel und die Hauptstadt Vaitape liessen uns einen kleinen Eindruck vom realen Leben auf der Insel gewinnen.

Mittelpunkt und Blickfang der Insel ist der Berg Mont Otemanu. Dieser abgewitterte Zentralschlot und Gipfel des einstigen Zentralvulkans thront mit seinen 727m majestätisch über dem Meer, umgeben von tropischen Regenwald. Was für ein Anblick. Eine schmale Strasse führt einmal um die Hauptinsel Bora Bora, entlang derer zahlreiche Verkaufsstände mit Obst und Gemüse und vor allem Blumenketten in allen erdenklichen Farben aufgebaut sind. Auch kleine Läden mit Touristensouvenirs findet man entlang dieser Strasse sowie die kleinen Häuser der Einheimischen, die inmitten von tropischen Wald gebaut sind. Die meisten Häuser der Bewohner scheinen keine Klimaanlagen zu haben und bei der derzeitigen Hitze und Luftfeuchtigkeit wird das Leben hier wohl nicht immer nur paradiesisch sein. Uns war natürlich klar, dass das Resort nur eine Scheinwelt ist, in dem alles möglichst perfekt, schön und paradiesisch aufbereitet wird. Auf der Hauptinsel mit abgemagerten Strassenhunden, runtergekommenen Häuschen, angefangenen und nicht fertiggestellten Baustellen, sieht das ganze schon nicht mehr so wundervoll aus.

Bereits im Resort wurde Nadcha von den Einheimischen häufig als kleine Polynesierin bezeichnet und mit ihrem neuen Blumenkleid samt Blume im Haar hätte man sie tatsächlich hier aussetzen können. Stolz wie die hiesigen Frauen trug sie ihr neues Outfit. Auffällig war zudem, dass zahlreiche Männer mit weiblichen Attributen ihre Frauenkleider stolz trugen. Die „Mahus“, wie die Polynesier das dritte Geschlecht hier nennen, sind weiblich und männlich zugleich und gesellschaftlich völlig akzeptiert. „Mahus“ sind aus gesellschaftlichen Gründen vor hunderten von Jahren in Polynesien entstanden. Kämpfe zwischen den Stämmen der insgesamt 118 bewohnten Inseln dezimierten die polynesische Bevölkerung enorm. Denn: Der Siegerstamm durfte nach dem Kampf alle Männer des besiegten Clans töten. Um den Clan zu erhalten, erklärten die Polynesier den ältesten Sohn jeder Familie als unantastbar. Dieser lebte unter den Frauen, zeugte Kinder und durfte den nur für Frauen gedachten Blumenschmuck und Kleider tragen und widmete sich hauptsächlich der Kindererziehung und dem Haushalt. Auch wenn „Mahus“ heute keine Clans mehr erhalten, gibt es sehr viele Personen des dritten Geschlechts bzw. Männer in Frauenkleidern auf den Inseln, die hier nicht ausgegrenzt sondern geachtet werden. Uns fielen während unseres Aufenthaltes bestimmt 15 „Mahus“ auf, u.a. auch als Angestellte im Resort. Wir fragen uns, ob bei uns gesellschaftliche Konventionen ein derartiges „Outen“ verhindern oder ob es bei uns einfach weniger Menschen des dritten Geschlechts gibt. Denn bei uns sieht man Männer mit stark weiblichen Attributen doch ehr selten.

Auch bemerkenswert war es, dass wir während unseres Aufenthaltes erfuhren, dass alle Kinder in Polynesien bis zu ihrem 7 Geburtstag überall kostenlos Essen erhalten. Kinder bis 12 Jahren zahlen nur den halben Preis für Kindergerichte. Auch uns wurden die gesamten Frühstücke und Abendessen für Nadcha erstattet. Vermutlich möchte man mit dieser Maßnahme der Unterernährung von Kindern entgegenwirken. Jedenfalls ist dies eine tolle Aktion, um auch Familien mit wenig Geld eine gesunde Ernährung für ihre Kinder zu ermöglichen. Toll, dass so etwas im französischen Überseegebiet möglich ist.

An unserem letzten Morgen in Bora Bora freuten wir uns auf eine ganz besondere Abschiedstour von der Insel: Wir hatten eine Schnorchel Tour mit Mantarochen gebucht. Mit einer französischen Meeresbiologin, die die riesigen Rochen erforscht, und einem weiteren Pärchen ging es morgens um 09 Uhr mit dem Boot los. Mantarochen schwimmen regelmäßig sogenannte „Putzstationen“ an, wo sich die Tiere von Putzerfischen Schädlinge beseitigen und Wunden säubern lassen. Dies geschieht während des Schwimmens, denn Mantas müssen zur Sauerstoffaufnahme über ihre Kiemen dauerhaft in Bewegung sein. Wir waren wahnsinnig aufgeregt und hofften auf eine erfolgreiche Tour. Auch wenn wir am ersten angefahrenen Spot keine Rochen entdeckten, blieb und bei Halt 2 die Spucke weg. Im relativ seichten Wasser nahe des Riffs schnorchelten wir los und entdeckten sofort einen ca. 3m Manta aus nächster Nähe unter uns. Dieser glitt majestätisch und elegant durchs Wasser und drehte seine Runde um das Putzstation-Riff, begleitet von einigen Putzerfischen, die gerade seine Kiemen reinigten. Das war ein wahnsinniger Anblick. Bei näherer Betrachtung konnte man einen Haibiss an der rechten Flosse des Tiers erkennen. Die Biologin erklärte uns, dass Mantas über enorme Selbstheilungskräfte verfügen und in der Flosse des Mantas vor einiger Zeit noch ein enormes Loch klaffte. Unglaublich. Während wir den Manta beobachteten, ihm folgten und unser Glück kaum fassen konnten, geschah etwas noch unglaublicheres: Unter uns tauchten zwei weitere Tiere aus der Gegenrichtung auf, unter anderem Lucy – eine Mantadame mit einem Durchmesser von 5m. Lucy ist das größte Tier der Region und wirkte wahnsinnig beeindruckend. Beeindruckend war außerdem Nadcha im Wasser zu sehen, die keinerlei Scheu oder Angst vor den riesigen Mantas zeigte, sondern im Gegenteil – nur schwer zu bremsen war, den Tieren nicht zu nah zu kommen. Wir erlebten unglaubliche Momente im Wasser und ich musste wegen meiner Freudentränen meine Taucherbrille zwischenzeitlich leeren. Was für ein toller Abschied von der Insel, die wir am Nachmittag, nach dem Packen unserer Taschen, leider verlassen mussten. Wir hatten eine wundervolle Zeit im Paradies und sind zutiefst beeindruckt von der Schönheit der Insel und der Vielfalt der Meereswelt. Ein steht fest: Wir wollen irgendwann wiederkommen.

Mit dem Flieger flogen wir abends zuerst bis Papeete auf Tahitit und dann nachts um 2:15 Uhr weiter Richtung Auckland. Zum Glück kann Nadcha überall schlafen, so dass die Rückreise weniger anstrengend war, als befürchtet.

Kommentare sind geschlossen.