Aoraki, Tag 2
Nach einer kalten Nacht wachten wir zu Sonnenschein auf, mit Blick auf ein wunderbares Bergpanorama. Leider war auch diese Nacht stark bewölkt gewesen, so dass wir keine Sterne schauen konnten. Wenn die Nacht klar ist, muss hier die Sicht auf die Milchstrasse gigantisch sein, da nur wenig Lichtverschmutzung in der Umgebung zu finden ist.
Da wir gestern bereits einen Blick auf Lake Hooker werfen konnten, wollten wir heute in das Nachbartal fahren, um Lake Tasman zu bewundern. Die 300 Stufen des kurzen Wanderweges waren ein Kinderspiel für Nadcha und schnell waren wir am Aussichtspunkt. Lake Tasman ist mit 12km Länge der größte Gletschersee Neuseelands. Ein Schild verriet uns: Der Gletscher selbst – ebenfalls der größte seiner Art – hatte 2011 noch eine Länge von 24km und eine Fläche von 92km2 – zieht sich aber mit 480 bis 820m pro Jahr zurück, sodass er bereits 2027 nur noch eine Länge von 20km haben soll. Vor 14.500 Jahren sah es hier in der Gegend noch ganz anders aus. Zu dieser Zeit – so schätzt man – hatte der Gletscher noch eine Länge von 85km und reichte bis an ein kleines Örtchen Namens Twizel heran, durch dass wir bereits von der Hinfahrt in das Gebirge gefahren waren. Auch lag zu dieser Zeit unser Aussichtspunkt – an dem uns heute die Sone auf dem Kopf brannte – 1.500m unter Eis begraben.
In der Ferne sahen wir heute die 100 Meter dicke Eisfront des Tasman Gletscher, wie sie an den See angrenzte und mit Geröll bedeckt war. Von hier konnte man die Dimensionen aber leider garnicht wirklich fassen. Nur 4 winzige Punkte (es waren Boote) vor der Eiswand ließen erahnen wie hoch diese dennoch sein muss. Der Ausblick war erneut ein Wahnsinn. Nachdem wir ausreichend Zeit hier oben verbracht hatten, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Mittlerweile hatten wir alle ordentlich Hunger und im Örtchen Mount Cook gab es ein Café in das wir nun einfallen wollten.
Das Wellblechgebäude war von innen komplett in Holz gehalten und über einem Kamin zierte eine handschriftliche Widmung von Sir Edmund Hillary den Sims. Dieser hatte das Café im Jahre 2003 eingeweiht. Edmund Hillary war Neuseeländer und vor seiner Mount Everest Besteigung hat er hier im Mount Cook Nationalpark viele Trainingseinheiten absolviert. Daher wird seiner an vielen Stellen im Ort gedacht. Die Burger waren frisch und lecker, so dass wir uns gut gestärkt auf unsere Weiterreise machten. Unser nächste Stop für die Nacht sollte Kurow sein. Nichts besonderes, aber genau die richtige Adresse für einen Stop auf unserem Weg zurück an die Küste nach Oamaru.
Der Campingplatz bot alles, was wir uns erträumten: Eine heiße Dusche. Vorher gingen wir aber noch runter an den Fluss. Hier konnten wir uns aus dem Holzschuppen ein Kayak und ein SUP kostenlos leihen und noch etwas herum paddeln. Nach einer Runde wollte Nadcha unbedingt einmal alleine in ein Kayak. Da der kleine Fluss absolut zahm war, machten wir uns also zu dritt auf zu einer weitere Runde. Nadcha hatte das Navigieren nach kurzer Zeit bereits super heraus. Auf der Zielgeraden machte es dann aber doch noch „platsch“ und wir zogen unser nasses und lachendes Kind zu Nanette auf das SUP. Jetzt war es dann wirklich Zeit für eine heiße Dusche…



Koordinaten: S 44.72634 & O 170.46849
what3words: kugelig.entbehrlich.blumen