Milford Sound
Die ganze Nacht hatte es in Strömen geregnet und gestürmt. Und wir lagen bis am frühen Vormittag in Decken gemummelt im Bett und lasen in Nadchas Ed Hillary Buch – sehr gemütlich ist es bei fiesem Wetter in so einem Camper.
Leider war daher auf dem Hinweg zu Milford Sound die Schönheit der Gegend nur zur erahnen. Die Berggipfel waren weitestgehend in dichten Nebel- und Regenwolken verhangen. Die zahlreichen, riesigen Wasserfälle liessen erahnen welche Wassermassen heute Nacht zusammengekommen sein mussten. Rund um Milford Sound regnet es jährlich an rund 200 Tagen insgesamt 6.700 mm und damit ist diese Gegend eine der nassesten Gebiete der Welt.
WIr fuhren somit an allen Aussichtspunkten und Wanderungen vorbei direkt zum Homer Tunnel, der das Tal von Te Anau kommend mit dem Mitford Sound verbindet. Auch im 1,2 km langen Tunnel floß jede Menge Wasser von den Steinwänden und machte die Durchfahrt ziemlich abenteuerlich.
Im Milford Sound angekommen, schnappten wir uns unsere Regenjacken und liefen einen kleinen Spazierweg am Sound entlang. Auch hier bestaunten wir erneut die vermoosten Buchenwälder und genossen den Blick auf den Sound. Und wir hatten großes Glück und entdeckten eine Wekaralle, die wie alle flugunfähigen Vögel in Neuseeland, als gefährdet eingestuft wird. Auch machten wir Bekanntschaft mit unzähligen Sandflys, die diesen Ort zu Tausenden besiedeln und trotz Repellant hartnäckig um uns kreisten. Laut Legende der Maori wurden die Sandflies von einem ihrer Götter eingeführt, damit die Menschen bei der Schönheit des Fiordlands ihre Sterblichkeit nicht vergessen. So nach dem Motto: Zu wundervoll darf es dann hier aber auch nicht sein.
Im Anschluss an diesen kleinen Spaziergang schnappten wir unsere mit Proviant bestückten Rucksäcke und bestiegen ein riesiges Schiff, das uns auf den Milford Sound schippern sollte. Mutig setzen wir uns in Regenhosen und -jacken auf das nicht überdachte obere Deck und sollten belohnt werden. Nach weiteren 10 Minuten Nieselregen riss die Wolkendecke auf und die Sonne liess sich durch einige blaue Flecken am Himmel blicken. Die steilen, bewaldeten Berghänge wurden sichtbar und damit bestimmt über 100 Wasserfälle, die in den Sound rauschten. Das Schiff fuhr uns raus bis auf die Tasmanische See und wir genossen den Blick auf die majestätischen Steilhänge. Die gesamten Steinhänge sind von Bäumen und Farnen bewachsen. Nur an manchen Stellen ist der blanke Fels zu sehen. Dies sind Stellen, an denen es Steinrutsche gab, die alles Grün mit sich gerissen haben.
Dieser Ort versprühte erneut eine Mystik, die kaum beschreibbar ist. Milford Sound ist ein vom Mensch unangetasteter Ort und seine Vegetation besteht so seit der letzten Eiszeit. In Vorbereitung auf den Dreh zu Jurassic Park wurde analysiert, dass diese Vegetation schon bei den Dinosauriern gewachsen ist. Mich hätte es heute auch irgendwie nicht gewundert, wenn ein Archaeopteryx am Himmel rund um die Felsen gekreist wäre.
Auf dem Rückweg zu unserem Campingplatz – wir wählten den selben wie in der Nacht zuvor – hielten wir an einigen Aussichtspunkten entlang des Weges, denn nun war die Sicht endlich gut.








