Pikowai Reserve bei Matata

Pikowai Reserve bei Matata

Der Kundenservice von Te Puia hatte uns gestern ohne Probleme einen neuen Termin für den Haka gegeben, der auch noch sehr gut in unseren heutigen Tag hinein passte. Um 11.30h starteten wir einen neuen Versuch, den Haka erleben zu dürfen. Vorher hatten wir ausreichend Zeit den Camper frisch zu machen und noch für die nächsten Tage einzukaufen.

Gestern Abend hatten wir noch eine große Katastrophe zu bewältigen. Nadchas Rosa war nicht mehr aufzufinden und wir vermuteten, dass wir sie irgendwo auf dem geothermischen Gelände von Te Puia verloren hatten. Der Gedanke daran, dass Rosa am Geysir, einer heißen Quelle oder gar in einem kochenden Mudpool lag, war für Nadcha schrecklich. Eine genaue Analyse unter zuhilfenahme der geschossenen Fotos half uns, den genauen Standort von Rosa zu ermitteln. Nadcha hatte Rosa im Souvenirshop von Te Puia auf einem Couchsessel vergessen. Da sollte es Rosa die Nacht über gut gehen und ich hoffte, dass sie nicht auf Shopping Tour gehen würde. Hatten wir dieses Rätsel nicht unglaublich gut gelöst? Sherlock Holmes wäre vor Neid erblasst!

Wir waren rechtzeitig in Te Puia, um vor der Veranstaltung Rosa aus dem Souvenirshop zu befreien. Die Mitarbeiterinnen hatten sie auf Seite gelegt und mit einem Griff in eine Schublade war das Thema abgehakt und Nadcha überschwänglich vor Freude. Anschließend ging es zum Marae der Maori – dem Versammlungsgelände. Da es immer wieder tröpfelte wurde die sehr kleine Zuschauergruppe direkt in das Wharenui – wörtlich „großes Haus“ oder viel mehr Versammlungsgebäude geleitet. Damit wir als Nicht-Maoris solch ein Marae betreten durften, wurden viele Protokolle der Maori ausgesetzt. Denn eigentlich ist es nur den Stammesangehörigen erlaubt, das Gelände zu betreten.

Wir ergatterten Plätze in der ersten Reihe. Eine ältere Maori Dame in traditionellem Gewand führte uns in die Grundlagen ein. Die erste Begegnung mit den Maori Kriegern stand noch aus. Hierfür wurde ein Kanadier – Peter – aus unserer Gruppe ausgewählt, der die Gästeseite repräsentierte. Dieser Kelch ging heute zum Glück an mir vorbei, was mir ganz recht war. Machte Peter nämlich einen Fehler und verärgerte die Krieger, könnte das Spektakel ungeahnte Wendungen annehmen und unschön enden.

Begleitet von ohrenbetäubenden Muschelfanfaren betrat ein Maori Krieger die Bühne. Sehr angsteinflößend fuchtelte er mit seinem „Taiaha“ – einem Speer – vor Peter herum und machte mit weit aufgerissenen Augen und einer weit rausgestreckten Zunge eine Reihe von Lauten, um dann ein Farnblatt fallen zu lassen. Peter musste dieses nun vorsichtig aufheben, um friedliche Absichten zu symbolisieren. Als dies glücklicherweise geschafft war, ging es zum feierlichen Teil der Veranstaltung über. Es wurden verschiedene wundervoll klingende Lieder der Maori gesungen und dabei getanzt. Die Maori machen während dem Singen viele schnelle und zittrige Bewegungen mit den Händen, da Bewegung für sie Leben bedeutet und die Gesten den Worten mehr Leben verleihen sollen. Ebenfalls wurde das Kämpfen mit dem Taiaha demonstriert. Im Vorfeld hierzu wurde der berühmte Haka der Maori aufgeführt. Mit diesem Tanz – bei dem mit den Füßen ausladend auf den Boden gestampft, die Augen weit aufgerissen und die Zunge weit herausgestreckt und immer wieder mit den flachen Händen auf die Brust gehauen wird – wollte man die Gegner in früheren Zeiten in die Flucht schlagen. Half dies nicht, musste man kämpfen.

Die Vorstellung war fesselnd und viel zu schnell vorbei. Nadcha wollte das Marae garnicht verlassen, weil es ihr so gut gefallen hatte. Erneut blieben wir nachdenklich zurück. Wie die Kolonialisierung doch die vielseitige Kultur auf dieser Welt vernichtet bzw. in touristische Vorführungen zurück gedrängt hat. Aber auch die Maori unter sich waren keine Engel und aufgrund der knappen Ressourcen sehr streitsüchtig und kriegerisch. Daher basiert ein Großteil ihrer Kultur auch auf Kriegstänzen und -symbolen.

Nach unserem Erlebnis in Te Puia ging es heute weiter durch die Region „Bay of Plenty“ bis zu unserem Ziel an der Küste: Pikowai. Hier planten wir während einem starken Regenschauer unsere letzten Tage in Neuseeland, um danach einen abendlichen Spaziergang am Strand zu machen. Es ging vorbei an einer Vielzahl von Nachtanglern, die mit ihren 4×4 bis an den Sandstrand gefahren waren und aus den Campingstühlen neben einem kleinen Lagerfeuer ihre Angeln beobachteten.

Koordinaten: S 37.85722 & O 176.66690

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